Kommentar von Stephan Bartels zum Buch LiebesLeben

Ich habe Magda und Bernhard Bauer vor anlässlich eines Interviews kennengelernt. Die beiden hatten nicht weit davor ihr Buch „Liebes Leben“ veröffentlicht, mit dem sie schon ordentlich Furore gemacht hatten. Kein Wunder: Zwei Rentner, knapp vor 70, die plötzlich in Swingerclubs gehen, zu experimentieren beginnen,Oralverkehr für sich entdecken, und vor allen Dingen, huch: anfangen, über Sex zu reden. Das fand nicht nur ich ziemlich spannend, sondern auch das Magazin BRIGITTE Woman, das mich nach Teneriffa schickte, um mir die beiden Turteltauben mal aus der Nähe anzuschauen.

Ich weiß nicht genau, was ich damals erwartet habe. Aber ich weiß, dass ich ganz froh war, dass ich es mit einem völlig normalen, allerdings sehr gut erhaltenem Exemplar von Ehepaar im Alter meiner Eltern zu tun bekam, das mich mit Schinkensandwiches und Kaffee versorgte. Und mit Informationen darüber, wie die beiden, ungewöhnlich genug, nach 46 Jahren Ehe ihr sanft entschlafenes Sexleben wieder in Schwung gebracht haben. Mich haben ihre Ausflüge in Sexclubs dabei genauso wenig interessiert wie bestimmte Sexualpraktiken. Ich war viel mehr fasziniert vom Kern des Ganzen: Liebe, Vertrauen – und ihre erotischen Frühstücksgespräche, mit denen sie in fast jeden Tag starteten.

Ich werde in ein paar Monaten 50. Ich habe eine Ehe in den Sand gesetzt und führe jetzt eine, die mich glücklich macht. Ich hatte in den letzten 35 Jahren eine Handvoll sehr ernste Beziehungen, und ein paar, die es nicht waren. Ich hatte sehr guten, sehr innigen Sex mit überwältigender Liebe. Aber selbst in diesen besten Momenten, die es überhaupt auf Erden gibt, habe ich fast nie meine tiefliegenden Phantasien, Wünsche, Bedürfnisse offenbart. Und wenn doch, dann habe ich sie schnell wegironisiert: War doch alles nicht so gemeint, Hase.

Was war das? Scham? Feigheit? Die Angst, plötzlich als Freak dazustehen, bloß weil mich vielleicht etwas anmacht, das ich mir zu wünschen nie getraut habe? Wahrscheinlich. Heute weiß ich: Es gehört Mut dazu, herauszufinden, dass Angst und Scham und Feigheit nichts im Bett zu suchen haben, und schon gar nicht in der Liebe. Die Bauers haben das verstanden, zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben, in dem Sex bei vielen nur noch eine ferne Erinnerung ist, wie ein Wetterleuchten am Horizont. Das hat ihrem Leben einen neuen Dreh gegeben. Dass sie dann noch den Mut hatten, damit an die Öffentlichkeit zu gehen und ein – nebenbei bemerkt: außergewöhnlich gutes – Buch zu schreiben, macht ihre Geschichte noch größer und schöner.

Erst recht, wenn man weiß, dass sie dafür einen Preis bezahlt haben: paarweise Einsamkeit. Viele ihrer Freunde haben sich abgewandt. Das muss man vielleicht sogar verstehen. Da sind dieses Eheleute, die man so lange und so gut kennt, und dann erfinden sie sich plötzlich neu, laufen verliebt herum wie mit 20 und treiben es sogar noch doller als damals. Und man ist selbst gezwungen, sich mit der eigenen Libido auseinandersetzen, denn im Kopf beginnt es zu rattern, ob man will oder nicht. Aber dann auch drüber sprechen? Kann nicht jeder. Eigentlich die wenigsten. Denn wie gesagt: Es erfordert Mut.

Oder diesen Blog. Denn Offenheit, Neugier und Lust auf Sex kann man trainieren, nicht erst mit 70, das kann und sollte schon ein halbes Jahrhundert früher losgehen. Und dabei wollen Ihnen Magda und Bernhard Bauer helfen. Mit diesem Blog, ihrem Ratgeber für das, was ihr eigenes Liebesleben wiederbelebt hat: die erotischen Frühstücksgespräche.

Soll ich Ihnen was sagen? Ich freu mich drauf.

Bleiben Sie neugierig. Bleiben Sie offen.

Stephan Bartels